CAGR trotz Einzahlungen? So werden eigene Beiträge nicht zur Anlagerendite
Prüfen Sie, wann CAGR bei Ein- oder Auszahlungen ungeeignet ist, rechnen Sie den irreführenden Effekt nach und wählen Sie eine cashflowgerechte Rendite.
Ein Depotwert kann steigen, weil die Anlagen eine Rendite erzielt haben, weil neues Geld eingezahlt wurde oder weil beides geschah. Anfangs- und Endwert allein zeigen die Ursache nicht. Wer trotz zwischenzeitlicher Ein- oder Auszahlungen nur diese beiden Werte in eine CAGR-Formel einsetzt, kann unbemerkt eigenes Geld als Anlageerfolg verbuchen.
Dieser Leitfaden beantwortet deshalb eine konkrete Frage: Eignet sich CAGR zur Beurteilung dieses Depots oder wird eine Rendite benötigt, die Betrag und Zeitpunkt der Cashflows berücksichtigt? Alle Zahlen sind hypothetische Beispielrechnungen. Sie sind weder eine Prognose noch eine persönliche Finanz- oder Anlageberatung.
CAGR passt zu einem ununterbrochenen Wachstumspfad
Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate, meist CAGR genannt, ist der konstante Jahreswert, der einen Anfangswert über eine bestimmte Laufzeit mit dem Endwert verbindet:
CAGR = (Endwert / Anfangswert)^(1 / Jahre) - 1
Eine hypothetische Anlage startet mit 10.000 USD. Es gibt keine externen Ein- oder Auszahlungen, Ausschüttungen werden wiederangelegt, und nach fünf Jahren beträgt der Wert 16.105,10 USD. Mit diesen drei Eingaben liefert der Calquio CAGR-Rechner:
(16.105,10 / 10.000)^(1 / 5) - 1 = 10,00 %
Die Gegenprobe führt wieder zum Endwert:
10.000 × 1,10^5 = 16.105,10
Hier ist CAGR sinnvoll, weil ein einziger Anfangsbetrag ohne externe Cashflows bis zum Endwert gewachsen ist. Die Kennzahl glättet allerdings den Verlauf. Sie behauptet nicht, dass die Anlage tatsächlich in jedem einzelnen Jahr genau 10 % erzielt hat. FINRA erläutert, dass eine annualisierte Rendite den Vergleich unterschiedlich langer Haltedauern erleichtert, während das bloße Teilen einer Gesamtrendite durch die Anzahl der Jahre den Zinseszinseffekt ignoriert.
Vor der Verwendung des Ergebnisses müssen außerdem Gebühren, Steuern, Ausschüttungen und Währung bei Anfangs- und Endwert gleich behandelt sein. Eine mathematisch korrekte CAGR ist kein fairer Vergleich, wenn beispielsweise ein Wert vor und der andere nach Kosten angegeben ist.
Wie eine Einzahlung zum Scheingewinn wird
Nun ändert sich nur die Cashflow-Historie. Ein hypothetisches Depot beginnt mit 10.000 USD und die Anlagen erzielen exakt 0 % Rendite. Gegen Ende des vierten Jahres zahlt die Inhaberin oder der Inhaber weitere 10.000 USD ein. Am Ende des fünften Jahres stehen 20.000 USD im Depot.
Wer die Einzahlung ignoriert, erhält mit derselben Formel:
(20.000 / 10.000)^(1 / 5) - 1 = 14,87 %
Calquio zeigt für diese Anfangs- und Endwerte außerdem einen Gesamtanstieg von 100 % und den Faktor 2. Als Beschreibung der beiden Kontostände stimmt das. Als Anlagerendite ist es in diesem Szenario falsch. Der gesamte Zuwachs von 10.000 USD stammt aus der Einzahlung; der Anlagegewinn beträgt 0 USD.
In diesem bewusst einfachen Fall macht das Abziehen der Einzahlung vom Endwert den Nullgewinn sichtbar. Diese Abkürzung ist aber keine allgemeine Renditemethode. Eine Einzahlung im ersten Monat war viel länger investiert als eine Einzahlung im letzten Monat. Sobald sich Marktwerte verändern, ist das Datum jedes einzelnen Cashflows entscheidend.
Das Warnsignal ist daher nicht eine bestimmte Einzahlungshöhe, sondern jeder externe Cashflow innerhalb des Bewertungszeitraums: Einzahlungen, Entnahmen, Überträge oder Ausschüttungen, die im Anfangs- und Endwert nicht einheitlich erfasst wurden.
Anlageleistung und persönliches Timing trennen
Die richtige Kennzahl hängt von der Frage ab. Das aktuelle GIPS Standards Handbook for Firms richtet sich an Investmentfirmen; eine Privatperson beansprucht damit keine GIPS-Konformität. Seine Definitionen helfen dennoch bei der Abgrenzung: Eine zeitgewichtete Rendite soll den Einfluss kundengesteuerter externer Cashflows neutralisieren. Eine geldgewichtete Rendite berücksichtigt dagegen Betrag und Zeitpunkt der externen Cashflows.
Ein zweites hypothetisches Depot zeigt den Unterschied:
- Es beginnt mit 10.000 USD und wächst zwei Jahre lang um jährlich 10 % auf 12.100 USD.
- Danach werden 10.000 USD eingezahlt; direkt nach der Einzahlung beträgt der Wert 22.100 USD.
- Dieser Gesamtbetrag wächst drei weitere Jahre um jährlich 10 % und endet bei 29.415,10 USD.
Nur mit Anfangs- und Endwert entsteht die falsche Zahl:
(29.415,10 / 10.000)^(1 / 5) - 1 = 24,08 %
Um die Anlageleistung zu isolieren, wird der Zeitraum an den externen Cashflows geteilt. Anschließend werden die Teilperioden geometrisch verknüpft:
- Rendite der ersten zwei Jahre:
12.100 / 10.000 - 1 = 21,00 %. - Rendite der drei Jahre nach der Einzahlung:
29.415,10 / 22.100 - 1 = 33,10 %. - Verknüpfte Fünfjahresrendite:
(1,21 × 1,331) - 1 = 61,051 %. - Annualisierte verknüpfte Rendite:
1,61051^(1 / 5) - 1 = 10,00 %.
Die Verknüpfung stellt die tatsächliche jährliche Wachstumsrate von 10 % wieder her. Die naive CAGR von 24,08 % belohnt das Portfolio fälschlich für Kapital, das die Depotinhaberin oder der Depotinhaber selbst bereitgestellt hat.
Die Kennzahl nach der eigentlichen Frage auswählen
Vor der Berechnung hilft diese Zuordnung:
| Frage | Geeignete Kennzahl | Benötigte Daten |
|---|---|---|
| Welcher konstante Jahreswert verbindet einen unberührten Anfangsbetrag mit dem Endwert? | CAGR | Anfangswert, Endwert und Laufzeit; keine externen Cashflows |
| Wie hat die Anlagestrategie unabhängig von persönlichen Ein- und Auszahlungen abgeschnitten? | Zeitgewichtete Rendite | Bewertungen rund um externe Cashflows oder verlässliche Periodenrenditen |
| Welche Rendite hat die Person mit ihren konkreten Einzahlungsbeträgen und -zeitpunkten erlebt? | Geldgewichtete Rendite, häufig IRR/XIRR | Alle datierten Ein- und Auszahlungen plus Endwert |
Eine geldgewichtete Rendite gibt Zeiträumen mehr Einfluss, in denen tatsächlich mehr persönliches Kapital investiert war. Deshalb kann sie von der zeitgewichteten Rendite abweichen. Die Abweichung macht nicht automatisch eine der Zahlen falsch; beide beantworten unterschiedliche Fragen.
Eine einfache CAGR zwischen Anfang und Ende wird nicht allein dadurch „zeitgewichtet“, dass sie mehrere Jahre umfasst. Für eine ordentliche zeitgewichtete Berechnung werden Zwischenbewertungen oder Periodenrenditen benötigt, die den Einfluss externer Cashflows entfernen. Der Calquio-Rechner berechnet zudem weder IRR noch XIRR oder eine cashflowbereinigte Rendite. Er nimmt ausschließlich Anfangswert, Endwert und Anzahl der Jahre entgegen.
Eine angezeigte Performance vor der Nutzung prüfen
Bei einer Anlage ohne externe Cashflows kann der CAGR-Rechner verwendet und die Eingabe dokumentiert werden. Bei einem Depot mit Bewegungen wird stattdessen zunächst eine datierte Transaktionshistorie benötigt. Danach sind folgende Punkte zu klären:
- Gab es Einzahlungen, Entnahmen, Überträge oder nicht wiederangelegte Ausschüttungen?
- Wurden die Werte unmittelbar vor oder nach jedem relevanten Cashflow ermittelt?
- Soll die Strategie oder das persönliche Anlageerlebnis beurteilt werden?
- Sind Gebühren und sonstige Kosten durchgehend gleich einbezogen?
- Werden Steuern, Dividenden, Währungsumrechnung und Bewertungsdaten einheitlich behandelt?
- Legt der Anbieter offen, ob die Anzeige zeitgewichtet, geldgewichtet oder nur eine Veränderung des Kontostands ist?
Das SEC-Bulletin zu Performanceangaben empfiehlt, die Methodik zu prüfen, einschließlich der Behandlung von Dividenden sowie der Annahmen zu Steuern, Markt und Wirtschaft. Es weist außerdem darauf hin, dass vergangene Performance zukünftige Ergebnisse nicht vorhersagt. Eine Prozentzahl ohne Methode, Zeitraum, Cashflows und Kostenbasis ist noch kein belastbarer Vergleich.
Grenzen und Finanzhinweis
CAGR blendet Schwankungen und die Reihenfolge von Gewinnen und Verlusten absichtlich aus. Die Kennzahl misst weder Risiko und zwischenzeitliche Verluste noch Liquidität, Inflation, Steuern oder die Eignung einer Anlage. Auch eine korrekt berechnete zeit- oder geldgewichtete Rendite benötigt konsistente Bewertungen und eine vollständige Cashflow-Historie. Näherungsverfahren können bei großen Cashflows oder starken Marktschwankungen ungenauer werden.
Die Beispiele unterstellen nur deshalb exakt gleichmäßiges Jahreswachstum, damit sich der Fehler reproduzieren lässt. Reale Renditen schwanken und können negativ sein. Dieser Beitrag ist eine illustrative Beispielrechnung zu Bildungszwecken, keine persönliche Finanzberatung, Steuer- oder Rechtsberatung, Bilanzierungsberatung oder Anlageberatung. Für wichtige Entscheidungen sind aktuelle Abrechnungen und Produktunterlagen zu prüfen; bei Bedarf sollte qualifizierter professioneller Rat eingeholt werden.
Quellen
- GIPS Standards Handbook for Firms — offizielle Definitionen und Methoden für zeit- und geldgewichtete Renditen; abgerufen am 10. August 2026.
- FINRA — Calculating Your Investment Returns — veröffentlicht am 4. Dezember 2024; Annualisierung und Grenzen von Vergleichen; abgerufen am 10. August 2026.
- SEC Investor.gov — Investor Bulletin: Performance Claims — veröffentlicht am 15. September 2022; Methodik, Kosten, Annahmen und Grenzen vergangener Performance; abgerufen am 10. August 2026.
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