The Second Job Fallacy: Warum deine Hypothek ein Job ist, für den du dich nie beworben hast
Hör auf, nur Zinsen zu vergleichen. Erfahre, warum Hausbesitz oft ein unbezahlter Job als Hausverwalter ist und wie dein Stundenlohn die Mietentscheidung beeinflusst.
Ich verbrachte letzten Sonntag sechs Stunden in einem Kriechkeller. Ich kämpfte mit einer riesigen Spinne um ein verdammtes Stück Kupferrohr. In diesem Moment, während mir Dreck ins Gesicht rieselte und meine Knie auf dem kalten Beton schmerzten, wurde mir etwas klar. Meine Hypothek ist kein Investment. Sie ist ein Job, für den ich bezahle, um ihn ausüben zu dürfen.
Wir alle kennen das Narrativ. Miete ist angeblich rausgeschmissenes Geld. Man sagt uns, wir müssten auf die Immobilienleiter steigen, weil Hausbesitz der einzige Weg zum Wohlstand sei. Die Realität sieht oft anders aus. Besonders für Leute, die unter der Woche 50 Stunden arbeiten und deren Freizeit das wertvollste Gut ist. Wir lassen uns einreden, dass wir ein Asset kaufen. Oft kaufen wir uns aber nur einen unbezahlten Nebenjob als Hausverwalter.
In der Welt des sozialen Drucks haben wir vergessen, unsere eigene Zeit in die Gleichung einzubeziehen. Wenn du 100 Euro pro Stunde verdienst, kostet dich dieser Samstag im Garten nicht null Euro. Er kostet dich 600 Euro an potenzieller Lebensqualität oder Arbeitszeit.
Wenn dein Asset dich kontrolliert
Häuser sind hungrige Maschinen. Sie fressen keine Kohle, sie fressen Wochenenden. Der Mythos von der passiven Wertsteigerung ist eine der größten Lügen der Finanzwelt. Ein Haus ist nur dann passiv, wenn es dir egal ist, dass der Dachboden schimmelt oder die Dachrinnen überlaufen.
Stolz auf das Eigentum ist oft nur ein schicker Marketingbegriff für unbezahlte Handwerkerarbeit. Wir verbringen unsere kostbaren freien Stunden damit, Dinge zu reparieren, die in einer Mietwohnung das Problem von jemand anderem wären. Nehmen wir die klassische 300-Euro-Reparatur eines tropfenden Wasserhahns.
Es fängt harmlos an. Du denkst dir, dass du das selbst machen kannst. Drei Fahrten zum Baumarkt und acht Stunden YouTube-Tutorials später sitzt du frustriert auf dem Boden, während das Wasser immer noch läuft. Dein effektiver Stundenlohn für diese Aktion ist wahrscheinlich schlechter als der eines Praktikanten.
Dazu kommt die mentale Last. Die Liste im Hinterkopf wird niemals kürzer. Wann wurde der Filter der Lüftungsanlage zuletzt gewechselt? Wie sieht eigentlich das Dach aus? Muss die Einfahrt versiegelt werden? Diese Dinge belegen permanenten Speicherplatz in deinem Gehirn. Als Mieter ist dieser Speicherplatz frei für Projekte, die dich wirklich weiterbringen.
Die Wartungssteuer auf deine Lebenszeit
Wir müssen anfangen, Zeit als echte Kostenstelle in der Hypothekenrechnung zu sehen. Wenn du ein High-Earner bist, ist "Sweat Equity" meistens ein mathematischer Fehler. Das ist der Aufbau von Eigenkapital durch Eigenleistung.
Stell dir vor, du hast die Wahl zwischen einer Wohnung für 2.800 Euro Miete oder einem Haus mit einer Kreditrate von 2.600 Euro. Auf dem Papier sparst du 200 Euro im Monat. Das wirkt wie ein klarer Sieg für den Kauf.
Hier ist jedoch der Haken. Das Haus verlangt im Schnitt 10 Stunden Arbeit pro Monat von dir für Rasen, Reparaturen und Verwaltung. Wenn deine Zeit 100 Euro pro Stunde wert ist, kostet dich das Haus effektiv 1.000 Euro an Zeitwert. Deine Ersparnis von 200 Euro ist also eigentlich ein Verlust von 800 Euro.
Das ist die Wartungssteuer. Sie ist progressiv. Je mehr du verdienst, desto teurer wird dein Haus. Für einen Cloud-Architekten oder eine Anwältin ist das Rasenmähen am Samstagvormittag pure Geldverbrennung.
Hier kommt die 1-Prozent-Regel ins Spiel. Erfahrene Immobilienbesitzer wissen, dass man pro Jahr etwa 1 Prozent des Hauswertes für die Instandhaltung beiseitelegen sollte. Bei einem Haus für 800.000 Euro sind das 8.000 Euro im Jahr, nur damit es nicht zerfällt. Das ist Geld, das du nie wieder siehst. Es baut kein Eigenkapital auf.
Die Mathematik hinter dem "Geldverbrennen"
Mieten ist der Kauf einer Dienstleistung. Diese Dienstleistung umfasst ein Dach über dem Kopf und einen Wartungsservice rund um die Uhr. Sie bietet dir zudem die Freiheit, kurzfristig umzuziehen.
Wenn du den Rent Vs Buy Rechner nutzt, siehst du die nackte Wahrheit. Es geht nicht nur um Miete gegen Kreditrate. Es geht um die Break-Even-Realität. In den meisten Märkten musst du 5 bis 7 Jahre in einer Immobilie bleiben, damit sich die Transaktionskosten amortisieren.
Wer als junger Profi alle drei Jahre für den nächsten Karriereschritt umzieht, verliert beim Kauf fast immer Geld. Denk an die Maklergebühren. Bei einem Haus für 500.000 Euro sind 6 Prozent Provision satte 30.000 Euro. Das sind viele Monate Miete, die du einfach beim Notar liegen lässt.
Dazu kommen die Opportunitätskosten. Dein Eigenkapital arbeitet im Haus für eine Wertsteigerung, die historisch gesehen oft kaum die Inflation schlägt. Im S&P 500 hätte dasselbe Geld in der Vergangenheit meist mehr Rendite abgeworfen, ganz ohne Rohrzange.
Wenn du deine Zeitkosten in den Rechner einträgst, verschiebt sich der Break-Even-Punkt oft weit nach hinten. Manchmal lohnt sich das Haus erst, wenn du schon in Rente bist.
Warum Thalía im Loft blieb
Neulich unterhielt ich mich mit einer Bekannten namens Thalía. Sie ist 38, Principal Cloud Architect und verdient rund 220.000 Euro im Jahr. Das sind etwa 110 Euro pro Stunde. Sie lebte in einem Loft für 4.200 Euro Miete und hatte ein ständiges schlechtes Gewissen, weil ihre Eltern sie zum Kauf drängten.
Sie fand ein Haus in der Vorstadt für 920.000 Euro. Die monatliche Rate wäre fast identisch mit ihrer Miete gewesen. Sie hatte 185.000 Euro für die Anzahlung gespart. Auf dem Papier sah alles perfekt aus.
Dann haben wir den Rent Vs Buy Rechner gefüttert und die Zeitsteuer einberechnet. Wir schätzten, dass sie etwa 15 Stunden im Monat für das Haus opfern müsste. Bei ihrem Stundensatz sind das 1.650 Euro an verlorener Lebenszeit jeden Monat.
Zusätzlich rechneten wir die Opportunitätskosten ihrer Anzahlung gegen. Wenn sie diese 185.000 Euro am Aktienmarkt lässt, bringt es ihr bei konservativen 7 Prozent ein Vermögen, ohne dass sie einen Finger rühren muss. Das Ergebnis war ein Schock. Beim Kauf hätte sie effektiv 2.000 Euro mehr pro Monat bezahlt als beim Mieten. Sie blieb im Loft. Ihre Wochenenden verbringt sie jetzt auf dem Mountainbike statt im Baumarkt.
Mieten als Management-Entscheidung
Es ist Zeit für ein Reframing. Der Mieter ist kein Verlierer. Er ist der CEO seines eigenen Lebens, der das Immobilienrisiko und die Verwaltung an einen Dienstleister auslagert.
Als Mieter hast du den Luxus fixer Kosten. Du weißt genau, was dich dein Wohnraum in den nächsten 12 Monaten kosten wird. Es gibt keine Überraschungen wie ein 10.000-Euro-Dachschaden im Dezember. Diese Vorhersehbarkeit ist eine Form von Freiheit.
Auch die Mobilität ist ein Faktor. In unserer heutigen Wirtschaft ist die Fähigkeit, für eine Gehaltserhöhung in eine andere Stadt zu ziehen, ein massiver Multiplikator für dein Vermögen. Ein Hausbesitzer klebt an seinem Ort. Ein Mieter kündigt und zieht weiter.
Stell dir vor, es ist Freitagabend und das Waschbecken läuft über:
- Der Mieter: Ruft die Hausverwaltung an und geht entspannt zum Abendessen. Wenn er zurückkommt, ist das Problem gelöst. Kosten: 0 Euro.
- Der Hausbesitzer: Sagt das Abendessen ab und verbringt den Abend auf den Knien unterm Siphon. Er fährt zum Notdienst-Baumarkt und flucht. Kosten: 150 Euro plus 5 Stunden Lebenszeit.
Der Price-to-Rent-Check für Realisten
Bevor du unterschreibst, schau dir die Price-to-Rent-Ratio in deinem Viertel an. Das ist eine einfache Formel, die dir sagt, ob der Markt überhitzt ist.
Hier ist die Faustregel für deine Entscheidung:
- Unter 15: Kaufen könnte sich lohnen, wenn du handwerklich begabt bist.
- 15 bis 20: Ein Münzwurf. Hier entscheidet meist der Lifestyle, nicht die Rendite.
- Über 20: Mieten ist fast immer der smartere Move.
In vielen deutschen Großstädten liegen wir mittlerweile bei 30 oder höher. Da ist Kaufen kein Investment mehr, sondern ein extrem teures Hobby. In der heutigen Zeit ist Flexibilität die wertvollste Währung. Ein Haus ist ein Anker. Manchmal ist ein Anker gut, um im Sturm nicht abzutreiben. Meistens hindert er dich jedoch daran, dorthin zu segeln, wo die Sonne scheint.
Hör auf, dich schuldig zu fühlen, weil du mietest. Du kaufst dir damit Zeit. Das ist die einzige Ressource, von der du nie mehr bekommst, egal wie viel Eigenkapital in deinen Wänden steckt. Wenn du das nächste Mal vor einer Immobilie stehst, frag dich nicht nur, ob du dir die Rate leisten kannst. Frag dich, ob du diesen Job wirklich annehmen willst.
Nutze Tools wie den Rent Vs Buy Rechner und sei ehrlich zu dir selbst. Triff eine Entscheidung, die auf Freiheit basiert und nicht auf den veralteten Vorstellungen deiner Eltern. Das coolste Statussymbol der Zukunft ist kein abbezahltes Haus, sondern ein leerer Terminkalender am Samstagnachmittag.
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